Fachinformation: Typ-2-Diabetes und Probiotika:

Stärkere Darmbarriere, bessere Insulinwirkung

Die Regulierung der Darmmikrobiota durch Probiotika bietet Potenzial für die Prävention und das Management des Diabetes-Typ-2. Die Mechanismen werden derzeit intensiv untersucht: Offenbar beeinflusst die Probiotika-induzierte Stärkung der Darmbarriere den Glukosestoffwechsel positiv und verringert die Insulinresistenz.

In den letzten 50 Jahren ist die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland von einer auf über sechs Millionen gestiegen. Dazu kommt eine Dunkelziffer von schätzungsweise zwei bis fünf Millionen Bundesbürgern, die bereits erkrankt, aber noch nicht diagnostiziert sind. Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser Volkskrankheit spielt aktuellen Studien zufolge die intestinale Mikrobiota – und ihre Regulierung mittels Prä- und Probiotika könnte neue Chancen für die Prävention und Therapie eröffnen.

Bisherige Ergebnisse aus Tierstudien stimmen optimistisch: Bestimmte probiotische Stämme der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium verringerten den Blutglukose-Anstieg, verbesserten die Glukosetoleranz und die Insulinsekretion, senkten den HbA1c-Wert sowie die Fettwerte im Blut. Die wenigen vorliegenden placebokontrollierten, randomisierten Humanstudien weisen in dieselbe Richtung1

Anmerkung. So führte der Verzehr eines probiotischen Joghurts bei Typ-2-Diabetikern zu besseren Nüchternblutzucker- und HbA1c-Werten.

Verbesserte Insulinsensitivität

Der Nutzen von Probiotika für das Diabetes-Management steht im Fokus des Interesses, seit deutliche Unterschiede in der intestinalen Mikrobiota von Typ-2-Diabetikern und Stoffwechselgesunden nachgewiesen wurden: „Typ-2-Diabetiker haben eine moderate bakterielle Fehlbesiedlung mit mehr opportunistisch pathogenen Keimen und weniger Butyrat produzierenden Bakterien.“, berichtete Dr. Marie-Christine Simon vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf auf dem Yakult Kolloquium am 15./16. Mai 2014 in Bonn. Kommt die Mikrobiota wieder ins Gleichgewicht, bessern sich die Stoffwechselwerte. Das zeigt eine aktuelle Studie, bei der adipöse Probanden mit Metabolischem Syndrom eine Stuhltransplantation von schlanken Personen erhielten. Unter dem Einfluss der „schlanken“ Mikrobiota verbesserte sich die periphere Insulinsensitivität signifikant, die hepatische tendenziell.2 Demnach ermöglicht eine Modulation der Mikrobiota den Muskel- und Leberzellen, wieder sensibler auf Insulin zu reagieren. Dies packt das Grundproblem von Typ-2-Diabetikern an der Wurzel: Sie haben eine Insulinresistenz, sprechen also nur noch eingeschränkt auf Insulin an, bis die Insulinproduktion schließlich versagt.

Fast Food und Süßigkeiten stören die Darmbarriere

Über welche Mechanismen die Mikrobiota den Stoffwechsel beeinflusst, ist derzeit Gegenstand der Forschung. Offenbar führt die Fehlbesiedlung des Darms von Typ-2-Diabetikern zu einer Störung der Darmbarriere und ermöglicht den Durchtritt bakterieller Produkte, so genannter Endotoxine, in den Blutkreislauf. „Endotoxine induzieren eine subklinische Entzündung nicht nur im Darm, sondern auch in der Leber, im Fett- und Muskelgewebe.“, erklärte Prof. Dr. Stephan Bischoff, Universität Hohenheim. Mögliche Folgen sind eine Fettleber, eine vermehrte Fetteinlagerung und gestörte Insulinsensitivität – alles Wegbereiter für das Metabolische Syndrom. Offenbar kann eine ungesunde Ernährung mit reichlich Fast Food, Süßigkeiten und Soft Drinks diese Kaskade lostreten: „Viel Fett, viel Fruktose und wenig Ballaststoffe führen zu einer Störung der Darmbarriere. Daraus kann sich eine Kombination aus Übergewicht plus metabolischen Erkrankungen entwickeln.“, so Prof. Bischoff weiter.

Probiotika stärken die Darmbarriere

Probiotika stärken die Darmbarriere dagegen: Die Modulation der intestinalen Mikrobiota bewirkt eine erhöhte Expression von „tight junctions“. Diese Proteine verkitten die Epithelzellen im Darm und vermindern so die Einwanderung von Endotoxinen ins Blut. „Damit sinkt der Grad der Inflammation, was zur Verbesserung der Insulinsensitivität und einer verzögerten Progression des Diabetes führen kann.“, erklärte Dr. Simon.

Die bislang gewonnenen Einblicke in die Mechanismen der Probiotikawirkung sind viel versprechend, stammen derzeit aber vorwiegend aus Tierstudien. Bevor sie in Konzepte für die Prävention und Management des Typ-2-Diabetes einfließen, sind weitere gut designte klinische Humanstudien notwendig.

Herausgegeben von der Wissenschaftsabteilung der Yakult Deutschland GmbH ausschließlich für die medizinische Fachpresse. Yakult Deutschland GmbH, Dr. Irmtrud Wagner, Dr. Jessica Türk, Monika Wien, Forumstraße 2, 41468 Neuss. Tel: 0 21 31 / 34 16-34, Fax: 0 21 31 / 34 16-16, E-Mail: wissenschaft@yakult.de


  1. Jones et al. Cholesterol lowering and inhibition of sterol absorption by Lactobacillus reuteri NCIMB 30242: a randomized controlled trial. Eur J Clin Nutr 2012;66:1234-41.
    Ejtahed et al. Effect of probiotic yogurt containing Lactobacillus acidophilus and Bifidobacterium lactis on lipid profile in individuals with type 2 diabetes mellitus. J Dairy Sci 2011; Jul;94(7):3288-94.
    Ejtahed et al. Probiotic yogurt improves antioxidant status in type 2 diabetic patients. Nutrition. 2012 May;28(5):539-43.
    Ouwehand, AC et al. Influence of a combination of Lactobacillus acidophilus NCFM® and lactitol on healthy elderly: intestinal and immune parameters. British Journal of Nutrition 2009; Vol. 101, 367-375  

  2. Vrieze et al. Transfer of Intestinal Microbiota From Lean Donors Increases Insulin Sensitivity in Individuals With Metabolic Syndrome. Gastroenterology 2012; Vol. 143:4, 913-916. 

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