Fachinformation: Nicht-alkoholische Fettleber

Intestinale Mikrobiota mit entscheidend

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung betrifft 20-40 % der Bundesbürger und ist damit längst eine „Volkskrankheit“. Aktuelle Studien rücken die Darmmikrobiota als relevanten Faktor für die Pathogenese in den Blick. Die Modifizierung durch Probiotika ist daher ein interessanter neuer Forschungsansatz.

Die Darmmikrobiota spielt bei der Pathogenese der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) eine wesentliche Rolle. Vermutlich sind bakterielle Stoffwechselprodukte aus einem dysbiotischen Darmmilieu die treibende Kraft für inflammatorische Prozesse, die zur Progression der Krankheit führen. Ob und wie Probiotika über eine Modifikation der Darmmikrobiota gegensteuern können, wird derzeit untersucht. Bisherige Ergebnisse sind viel versprechend: „Im Tierexperiment ging die Leberverfettung unter dem Einfluss von Probiotika zurück. Bei Humanstudien ist die Datenlage noch dünn und heterogen, doch Probiotika verbesserten in einzelnen Studien tendenziell Leberwerte wie Transaminasen und damit verbundene metabolische Störungen. In anderen Studien konnten diese Effekte jedoch nicht gezeigt werden.“, berichtete Dr. Christan Kienbacher, Medizinische Universitätsklinik Wien, auf dem Yakult Kolloquium am 15./16. Mai 2014 in Bonn.

NAFLD: Indikator für gestörten Stoffwechsel

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung galt lange Zeit als harmlos. Inzwischen nehmen Mediziner sie sehr ernst, denn sie betrifft 20-40 % der Bundesbürger und kann fatale Folgen haben: „Unbehandelt kann sich aus einer Fettleber eine nicht-alkoholische Steatohepatitis entwickeln, die zur Fibrose und Zirrhose fortschreiten und sogar in einem hepatozellulären Karzinom enden kann.“, sagte Prof. Dr. Stephan Bischoff, Universität Hohenheim. Darüber hinaus ist die Fettleber ein Indikator, dass der gesamte Stoffwechsel aus der Spur läuft: „Die Fettleber ist eng mit Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Atherosklerose assoziiert. Sie gilt als hepatische Manifestation des Metabolischen Syndroms.“, so Bischoff weiter.

Störung der intestinalen Barriere gefährdet die Leber

Genetische Faktoren und ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung, hyperkalorischer, fett- und zuckerreicher Ernährung sowie die Darmmikrobiota sind wesentliche Ursachen für die NAFLD. Die Ernährung steht in enger Wechselwirkung mit der Darmmikrobiota - je nach Speiseplan ändert sich deren Zusammensetzung. Dabei gibt es Diät-typische Konstellationen: So haben Adipöse einen hohen Anteil an Firmicutes-Bakterien, deren enzymatische Kapazität wahrscheinlich mit einer besonders effektiven Energiegewinnung aus komplexen, sonst nahezu unverdaulichen, Kohlenhydraten verbunden ist. Die zusätzliche Energieausbeute könnte Übergewichtige also tatsächlich zu „guten Futterverwertern“ machen. Mit der Förderung der Gewichtszunahme versetzt die Mikrobiota dem Organ den ersten Schlag: Übergewicht begünstigt eine Lipideinlagerung in der Leber und Insulinresistenz. Entwickelt sich eine Steatohepatitis, gewinnen entzündliche Vorgänge die Oberhand. Die Leber erhält den zweiten Schlag – und wieder spielt die Mikrobiota eine wesentliche Rolle: Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS) gelangen aus dem Darm in die Leber und induzieren dort eine niedrigschwellige Entzündung. Voraussetzung für die Translokation ist eine Barrierestörung, ausgelöst durch eine bakterielle Fehlbesiedlung, etwa aufgrund einer fett- und fruktoselastigen Ernährung. „Vor allem hoher Fruktosekonsum kann mit bakteriellen Fehlbesiedlung des Darms, erhöhter Darmpermeabilität und Inflammation der Leber einhergehen.“, erläutert Dr. Kienbacher.

Mikrobiota-getriggerte Leberkarzinogenese

Auch die Entstehung von Leberkrebs steht mit der veränderten Darmmikrobiota bei Adipositas in Zusammenhang. Die vorherrschenden Darmbakterien bilden aus primären vermehrt sekundäre Gallensäuren, die toxische Eigenschaften haben und tumorassoziiert sind. Im Fokus des Interesses steht die sekundäre Gallensäure Desoxycholsäure: Einer aktuellen Studie1: zufolge verstärkt sie die Inflammation in der Leber und induziert die Progression zum Leberkarzinom. Damit wurde erstmals nachgewiesen, dass die Leberkarzinogenese Mikrobiota-getriggert ist: „Die Übeltäter stammen aus der Mikrobiota.“, brachte Prof. Bischoff die Ergebnisse auf den Punkt. Die Modulation des dysbiotischen Darmmilieus mittels Probiotika scheint auch vor dem Hintergrund dieser Daten ein interessanter Ansatz für die Therapie der NAFLD zu sein. Für eine generelle Empfehlung ist es noch zu früh. Weitere gut kontrollierte klinische Studien mit größeren Fallzahlen und längeren Beobachtungszeiträumen bleiben abzuwarten.

Herausgegeben von der Wissenschaftsabteilung der Yakult Deutschland GmbH ausschließlich für die medizinische Fachpresse. Yakult Deutschland GmbH, Dr. Irmtrud Wagner, Dr. Jessica Türk, Monika Wien, Forumstraße 2, 41468 Neuss. Tel: 0 21 31 / 34 16-34, Fax: 0 21 31 / 34 16-16, E-Mail: wissenschaft@yakult.de


  1. Yoshimoto S, Loo TM, Atarashi K, et al. Obesity-induced gut microbial metabolite promotes liver cancer through senescence secretome. Nature. 2013 Jul 4;499(7456):97-101. doi: 10.1038/nature12347. Epub 2013 Jun 26. 

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