Magen / Darm – Morbus Crohn /Colitis Ulcerosa Teil 2

Was heißt nun chronischer Durchfall?

Chronischer Durchfall ist sicherlich ein Leitsymptom bei CED. Wenngleich chronischer Durchfall (> 4 – 6 Wochen) generell ein sehr unspezifisches Symptom ist und auch als Folge von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Medikamentennebenwirkungen oder anderen Erkrankungen (z. B . Reizdarm) auftreten kann.

Wie unterscheiden sich CED von anderen Magen-/Darmerkrankungen?

Allein anhand einzelner Symptome kann man CED nur schwer von anderen Erkrankungen wie z. B . Reizdarm unterscheiden. Meist besteht ein Komplex von Beschwerden, die durch ihre Beständigkeit und auch oft aufgrund ihres nächtlichen Auftretens den Verdacht auf eine CED nahelegen. Blut im Stuhl ist immer ein Alarmsymptom, das einer Abklärung bedarf, tritt aber bei Morbus Crohn im Vergleich zur Colitis ulcerosa nur selten auf. Der nebenstehende Fragebogen gibt aufgrund der standardisierten Abfrage mehrerer Symptome Aufschluss über das Vorliegen einer CED.

Wohin gehe ich bei Verdacht auf CED?

Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt, der Arzt Ihres Vertrauens. Es ist unverzichtbar, mit ihm Ihre Bedenken zu besprechen. Nehmen Sie den nebenstehenden – von Spezialisten ausgearbeiteten – Fragekatalog, den CED-Check, mit, damit auch er einen guten Anhaltspunkt hat. Er soll dann den im Internet verfügbaren Fragebogen nochmals mit Ihnen durchgehen. Erhärtet sich der Verdacht auf eine CED, muss die notwendige Diagnostik so rasch wie möglich eingeleitet werden. Wie sich immer wieder zeigt, erleichtet auch der Austausch mit Gleichgesinnten den Umgang mit der Erkrankung. Siehe auch: www. oemccv.at

Wie viele Menschen leiden in Österreich darunter?

In Österreich sind rund 60.000 – 80.000 Menschen von CED betroffen (lt. ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen). Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Es dauert in Österreich leider noch immer über drei Jahre bis ein Betroffener eine Diagnose erhält, weil zu lange von Seiten des Patienten wie von Seiten der Ärzte zugewartet wird. Hier verstreicht wertvolle Zeit!!! Denn je später diagnostiziert wird, desto mehr Regionen im Darm sind betroffen.

Wie verläuft die Diagnosefindung?

Der Hausarzt überweist bei Verdacht auf eine CED an einen Spezialisten (Internist oder Chirurg mit Endoskop), der dann eine hochqualitative, sanfte Koloskopie durchführt. Es ist dadurch möglich, alle nötigen Bereiche des Darms einzusehen und u. U. eine Gewebeprobe zu entnehmen. Eine Koloskopie ist eine ambulante Untersuchung, die nach Verabreichung eines kurzwirksamen Narkotikums schmerzlos vor sich geht.

Wie sieht die Therapie aus?

Die Therapie von CED gehört in die Hände eines Spezialisten (Spezialambulanzen). Wie die individuelle Therapie aussieht, hängt von folgenden Faktoren ab: Schweregrad der Erkrankung, Lokalisation der entzündeten Darmbereiche, Alter des Betroffenen, vorherige Therapien und Verlauf der Erkrankung. Wesentlich ist, dass die Therapie nur symptomatisch und/oder immun-modulierend erfolgt, nicht jedoch die Krankheit ursächlich heilen kann. Die große Bestrebung ist sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis Ulcerosa rasch dem Patienten immunsuppressive Substanzen und/oder Biologika zuzuführen – siehe dazu Kapitel 2, Immuntherapien. Momentan werden Biologika nur bei Patienten mit schwereren Verlaufsformen eingesetzt werden. Nach gewissenhaften Voruntersuchungen und Ausschluss chronischer Infektionen (z. B . Tuberkulose), schwerem Herzleiden oder Multipler Sklerose, werden diese Substanzen als Infusion bzw. Injektion (Pen oder Fertigspritze) verabreicht. Der Großteil der so behandelten Patienten profitiert von einer Langzeitbehandlung. Es hat sich gezeigt, dass Biologika die Lebensqualität von Betroffenen derart verbessern konnten, dass Patienten seltener ins Spital mussten und dass weniger Operationen nötig waren. Cortison ist bei CED zur Behandlung von akuten Schüben immer wieder notwendig und sehr sinnvoll. Eine Therapieeinheit sollte jedoch nicht länger als 8 bis 12 Wochen dauern.

(Quelle: GESUNDHEITSRATGEBER Immunsystem verstehen, MedMedia Verlags- und Mediaservice GesmbH)

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