Magen / Darm – Morbus Crohn /Colitis Ulcerosa Teil 1

Was hat mein Verdauungssystem mit dem Immunsystem zu tun?

Dem Immunsystem im Verdauungstrakt wird eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Rund 70 % unserer Abwehrzellen leben im Darm. Die wesentliche Aufgabe des „Verteidigungssystems“ im Magen- / Darmtrakt ist die Balance zwischen Toleranz und Abwehr von Antigenen zu halten. Ständig nehmen wir mit der Nahrung potentielle Keime auf, die als nützlich oder eben für den Organismus schädigend eingestuft werden. Sind sie gefährlich werden sie von Makrophagen, einverleibt und vernichtet.

Was sind entzündliche Darmerkrankungen?

Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zählen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Die Ursache von CED ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht geklärt, mit Sicherheit ist jedoch eine Fehlfunktion des Immunsystems in Zuge der Bekämpfung von Bakterien im Darm beteiligt. Bei beiden Formen verläuft die Erkrankung häufig in Schüben. Aber auch in schubfreien Intervallen können CED voranschreiten und neue Schäden an der Darminnenwand hervorrufen. Es konnte eine erbliche Häufung beobachtet werden, wobei lediglich die Disposition (= Anfälligkeit für die Ausbildung von Krankheiten) erhöht ist. Psychische Faktoren sind nicht die Ursache für die Krankheitsentstehung, man ist sich aber einig, dass psychische Belastungen einen Schub auslösen oder verstärken können.

Was passiert im Darm bei einer CED?

Wenn es zu einer Entzündung im Darm kommt, entzündet sich gerade jenes Organ, das die Zentrale des Immunsystems beherbergt. Das Immunsystem bewirkt eine Abwehrreaktion gegen die eigene Darmflora und die natürliche Darmbarriere geht verloren. Faktoren, wie falsche Ernährung, Stress, Rauchen oder Medikamente können den Prozess fördern und das System im Darm „kippt“, mit dem Resultat einer chronischen Entzündung

Wie bemerke ich, ob mit meinem Darm etwas nicht stimmt?

Die ersten Anzeichen einer CED sind oft schwer erkennbar, weil die Erkrankung mitunter schleichend vor sich geht. Je stärker sich jedoch diese Entzündungen ausgedehnt haben, umso stärker wird die Symptomatik, wie: • blutige, dünnflüssige oder schleimige Durchfälle • schmerzhafter und nicht unterdrückbarer Stuhldrang, bis zur Stuhlinkontinenz • kolikartige Bauchschmerzen, • aber auch Symptome außerhalb des Bauchraumes, wie Gelenksschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit Wenn man davon spricht, dass die Krankheit schubweise verläuft, meint man damit auch mitunter Jahre andauernde Phasen ohne Symptome nach dem ersten Auftreten.

Muss ich derartige Symptome hinnehmen?

Viel zu oft gehen Betroffene leider noch immer nicht rechtzeitig zum Arzt – meist aus Schamgefühl. Dafür nehmen sie mitunter jahrelange Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf. Theaterbesuche, lange Busfahrten etc. werden gemieden aus Sorge nicht rechtzeitig das nächste WC aufsuchen zu können. (Online Toilettenfinder: ww.crohnhilfe.at).

Was heißt nun chronischer Durchfall?

Chronischer Durchfall ist sicherlich ein Leitsymptom bei CED. Wenngleich chronischer Durchfall (> 4 – 6 Wochen) generell ein sehr unspezifisches Symptom ist und auch als Folge von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Medikamentennebenwirkungen oder anderen Erkrankungen (z. B . Reizdarm) auftreten kann.

Wie unterscheiden sich CED von anderen Magen-/ Darmerkrankungen?

Allein anhand einzelner Symptome kann man CED nur schwer von anderen Erkrankungen wie z. B . Reizdarm unterscheiden. Meist besteht ein Komplex von Beschwerden, die durch ihre Beständigkeit und auch oft aufgrund ihres nächtlichen Auftretens den Verdacht auf eine CED nahelegen. Blut im Stuhl ist immer ein Alarmsymptom, das einer Abklärung bedarf, tritt aber bei Morbus Crohn im Vergleich zur Colitis ulcerosa nur selten auf. Der CED-Check Fragebogen (siehe dort) gibt aufgrund der standardisierten Abfrage mehrerer Symptome Aufschluss über das Vorliegen einer CED.

Wohin gehe ich bei Verdacht auf CED?

Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt, der Arzt Ihres Vertrauens. Es ist unverzichtbar, mit ihm Ihre Bedenken zu besprechen. Nehmen Sie den – von Spezialisten ausgearbeiteten – Fragekatalog, den CED-Check, mit, damit auch er einen guten Anhaltspunkt hat. Er soll dann den im Internet verfügbaren Fragebogen nochmals mit Ihnen durchgehen. Erhärtet sich der Verdacht auf eine CED, muss die notwendige Diagnostik so rasch wie möglich eingeleitet werden. Wie sich immer wieder zeigt, erleichtet auch der Austausch mit Gleichgesinnten den Umgang mit der Erkrankung. Siehe auch: www. oemccv.at

Wie viele Menschen leiden in Österreich darunter?

In Österreich sind rund 60.000 – 80.000 Menschen von CED betroffen (lt. ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen). Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Es dauert in Österreich leider noch immer über drei Jahre bis ein Betroffener eine Diagnose erhält, weil zu lange von Seiten des Patienten wie von Seiten der Ärzte zugewartet wird. Hier verstreicht wertvolle Zeit!!! Denn je später diagnostiziert wird, desto mehr Regionen im Darm sind betroffen.

Wie verläuft die Diagnosefindung?

Der Hausarzt überweist bei Verdacht auf eine CED an einen Spezialisten (Internist oder Chirurg mit Endoskop), der dann eine hochqualitative, sanfte Koloskopie durchführt. Es ist dadurch möglich, alle nötigen Bereiche des Darms einzusehen und u. U. eine Gewebeprobe zu entnehmen. Eine Koloskopie ist eine ambulante Untersuchung, die nach Verabreichung eines kurzwirksamen Narkotikums schmerzlos vor sich geht.

Wie sieht die Therapie aus?

Die Therapie von CED gehört in die Hände eines Spezialisten (Spezialambulanzen). Wie die individuelle Therapie aussieht, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Schweregrad der Erkrankung,

  • Lokalisation der entzündeten Darmbereiche,

  • Alter des Betroffenen,

  • vorherige Therapien und

  • Verlauf der Erkrankung.

Wesentlich ist, dass die Therapie nur symptomatisch und/oder immun-modulierend erfolgt, nicht jedoch die Krankheit ursächlich heilen kann. Die große Bestrebung ist sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis Ulcerosa rasch dem Patienten immunsuppressive Substanzen und / oder Biologika zuzuführen. Momentan werden Biologika nur bei Patienten mit schwereren Verlaufsformen eingesetzt werden. Nach gewissenhaften Voruntersuchungen und Ausschluss chronischer Infektionen (z. B . Tuberkulose), schwerem Herzleiden oder Multipler Sklerose, werden diese Substanzen als Infusion bzw. Injektion (Pen oder Fertigspritze) verabreicht. Der Großteil der so behandelten Patienten profitiert von einer Langzeitbehandlung. Es hat sich gezeigt, dass Biologika die Lebensqualität von Betroffenen derart verbessern konnten, dass Patienten seltener ins Spital mussten und dass weniger Operationen nötig waren. Cortison ist bei CED zur Behandlung von akuten Schüben immer wieder notwendig und sehr sinnvoll. Eine Therapieeinheit sollte jedoch nicht länger als 8 bis 12 Wochen dauern.

(Quelle: GESUNDHEITSRATGEBER Immunsystem verstehen, MedMedia Verlags- und Mediaservice GesmbH)

Sponsoren: